Nachbericht Vortrag Cornelia Rüping April 2016

Dein Text spricht für Dich – authentisch und wirkungsvoll schreiben

Webgrrls Regio-Abend 12.4.2016

Lust oder Qual? Schreiben kann beides sein – wie jede weiß, die schon ratlos über ihrem Blogbeitrag, Fachartikel oder auch einem Gratulationsbrief saß und mit wachsendem Verdruss Satzanfänge erfand und verwarf. Das muss doch leichter gehen, oder?

Cornelia Rüping, Lektorin und Autorencoach, zeigte bei ihrem Vortrag beim Regioabend der webgrrls Bayern im voll besetzten Arbeits(t)raum in München-Giesing verschiedene Möglichkeiten, sich dem Schreiben auf spielerische Weise zu nähern: Ein Lolli nahm dem weißen Blatt auf jedem Sitzplatz den Schrecken und symbolisierte die Lust am Texten.

Anders, als manche es vielleicht in Schule, Ausbildung oder Studium erlebt haben, schaut Cornelia Rüping nicht zuerst darauf, was richtig, sondern was stimmig ist. Nicht starre Regeln, keine Dos und Don‘ts bilden die Basis authentischer und wirkungsvoller Texte, sondern die Liebe zur Sprache, Beschäftigung mit dem, was wir wirklich sagen wollen, und Vertrauen auf den eigenen Ausdruck. „Wie es euch gefällt“ ist ihre Leitschnur für Authentizität. Indem wir außerdem anstreben, dass möglichst das beim Adressaten ankommt, was wir wollen, entwickelt sich nach und nach das Gespür für die Wirkung von Texten.

Anders als in der persönlichen Kommunikation fehlen beim Schreiben Mimik und Gestik; die Leserin ist mit dem Text allein. In ihrem Kopf entstehen aus unseren Wörtern Bilder; sie speisen sich aus ihrem Vorwissen, ihren Gefühlen und Ideen. Je präziser wir formulieren, desto stärker lenken wir diese Vorstellungen, desto genauer definieren wir, was aufgenommen wird.

Unser Material ist die Sprache, mit ihr können wir spielen und variieren – von den kleinsten Sinneinheiten (wie Vorsilben) über den Sprachklang (wie Lautmalerei) bis zum Rhythmus von Wörtern und Sätzen. Die wichtigsten Bausteine des Textes sind natürlich die Wörter, schon die Bezeichnung „Wortschatz“ sagt alles. Die meisten kennen viel mehr Wörter, als sie benutzen, und oft ist nicht das erste Wort, das einem in den Sinn kommt, auch das treffendste und anschaulichste. Wie kann ich es genauer fassen? Wie wir als Kinder im Farbkasten gerührt, gemischt und ausprobiert haben, so können wir auch mit Wörtern malen.

Cornelia Rüping animierte die Anwesenden, zu „Nacht“ oder „Meer“ zu assoziieren oder nach Alternativen zu dem Begriff „Coach“ zu suchen. Zur Unterstützung können Synonymwörterbücher dienen; Herkunftswörterbücher (etymologische Lexika) bringen einen gleichfalls auf Ideen – und natürlich lesen, lesen, lesen. Auch für den Satzbau und den Gebrauch von Stilmitteln wie Vergleich oder Metapher gilt: ausprobieren und schauen, was den Gedanken am besten zum Ausdruck bringt.

Als erfahrene Lektorin weiß Cornelia Rüping natürlich auch um die Angstthemen. Zum Beispiel die Rechtschreibung: Wer damit Schwierigkeiten hat, ist noch lang kein schlechter Autor! Korrigieren kann man immer, deshalb lieber drauflos schreiben als sich vom inneren Kritiker dreinreden zu lassen. Korrekturprogramme und Nachschlagewerke helfen bei der Überarbeitung eines Textes ebenso wie konstruktiv-kritisches Nachlesen durch Unbeteiligte oder durch professionelle Lektoren.

Und wenn einmal gar nichts vorangeht, hilft körperliche Bewegung: eine Lockerungsübung zum Beispiel oder ein Spaziergang. Manchmal auch Gemüseputzen. Loslassen, an einen anderen Ort gehen – auf den Balkon, ins Nachbarbüro oder ins Café. Zuweilen auch: einfach anfangen, und das mutig über die Hindernisse beim Schreiben hinweg … Die konnte sich am Ende dieses Abends kaum jemand mehr vorstellen, so angeregt und inspiriert war die Stimmung im Auditorium: Cornelia Rüping hatte bei allen die Lust am Schreiben geweckt.

Bericht:  Barbara Maria Zollner

Über die Referentin
Cornelia Rüping hat knappe 20 Jahre Erfahrung als freiberufliche Sachbuchlektorin und ist Autorencoach. Sie arbeitet sowohl mit Verlagen und Agenturen als auch mit Autoren direkt zusammen. Dabei hat sie die häufigsten Fallstricke und Stolpersteine erkannt und weiß, wie sich Abhilfe schaffen lässt. In dieser Zeit hat sie vielen Autorinnen und Autoren geholfen, ihre Buchideen und Texte so in die Welt zu bringen, dass sie wie gewünscht wirken. Mehr Information unter www.wort-in-form.de.